DJ Tomekk im Bahnhof
- Werler Kötte

- 18. März
- 3 Min. Lesezeit
Wer keinen Bock auf umständlich ausufernde Satzungetüme hat oder kein Interesse daran verspürt, Zeuge zu werden, wie ein Schreiberling einfach nicht auf den Punkt kommen möchte, der kann die wichtigsten Informationen aus dem ersten Absatz entnehmen. Am 23.05.2026 findet im Werler Bahnhof (Kultur- und Eventzentrum) ein richtiger Kracher statt. Im Rahmen der Reihe „Dancehall vs. Hip-Hop“ legt Boneshaker auf und heißt DJ Tomekk willkommen. Ja, genau den. Nach Afrob und Lakman also der nächste bekannte Name, der sich die Ehre gibt. Also besorgt euch Tickets, unsere gesamte Redaktion wird die Tanzfläche fluten.

Früher war alles besser. Also früher musste ich mich nicht mit Rechnungen, allerlei Versicherungen, steuerlichen Fragestellungen und Übungen gegen Rückenprobleme auseinandersetzen. Davon abgesehen ist die eingangs formulierte Aussage ziemlich unverhohlener Quatsch. Vieles verändert sich, was nun einmal so ist, wobei eine undifferenzierte Einordnung in besser und schlechter meist sehr ungeeignet erscheint. Dennoch gibt es einige Bereiche, in denen derartig plakative Aussagen durchaus zutreffen.
Party
Nehmen wir zum Beispiel das umtriebige Treiben der Nachteulen, die am Wochenende gerne das Tanzbein schwingen lassen wollen. Allgemein ist die Clubszene im Wandel, was bedeutet, dass sie zunehmend dem Schicksal von Kneipen und Videotheken folgt und etliche Schuppen ihre türsteherbewachten Pforten schließen. Doch was interessiert mich die Allgemeinheit, schließlich geht es hier um Werl. Leider hat unsere schöne Köttenstadt auch in dieser Hinsicht bereits bessere Tage gesehen.
Vielen Menschen, die noch mehr Umrundungen der Sonne miterlebt haben als ich, dürften beim Klang von Galaxy oder Bierdorf Erinnerungen an feuchtfröhliche Abende, torkelndes Tanzen und durchzechte Nächte vor das innere Auge hüpfen. Dort trafen sich die feierwütigen Kötten, als ich die Erde noch nicht mit meinen unflätigen Worten behelligte.

Zwar würde ich meine persönlichen Erinnerungen an fetzige Feten aus Gründen als fragmentarisches Sammelsurium verklärter Peinlichkeiten bezeichnen, doch gab es auch für uns einige Anlaufstellen, wenn es um die pseudorhythmische Bewegung zu ohrenbetäubend lärmender Musik ging. Regelmäßig fanden in den obligatorisch vorhandenen Schützenhallen der Stadtteile „Feten“ statt. Herbstfete, Birkenfete, Frühlingsfete, Fetenfete und wie die Veranstaltungen sonst so bezeichnet wurden. Sogar in der Stadthalle gab es themenorientierte Tanzveranstaltungen, die man nach individuellen Vorbereitungen (Korn-Cola oder Wodka-Energy) aufsuchte, um dort so lange zu verweilen, bis das Portemonnaie leer oder der Pegel voll war.
Außerdem gab es in der Nähe von McDonalds das Präsenta. Hier legten nicht nur DJs auf. Live-Konzerte standen ebenfalls auf dem Programm. Man kann sich das Präsenta wie eine klassische Großraumdisco vorstellen; nur eben in klein. Abseits dessen ist sicher auch das Kraftwerk in der Nähe des Stadtwaldes zu erwähnen, vor dessen Besuch man sich mit Duftwasser besprenkelte und das einzige Hemd aus dem Kleiderschrank fummelte.
Warum sollte man 23.05. im Bahnhof sein?
Gibt es dumme Fragen? Ich finde schon, ungeachtet dessen kann man auch dumme Fragen beantworten. Sicher, zuhause auf dem Sofa ist es bequem und man hat es nicht weit bis ins Bett, wo man die schönste Zeit seines Lebens beim Träumen von absurden Träumen verbringt. Das möchte euch auch niemand nehmen, denn nach dem Besuch der Show werdet ihr erschöpft und mit einem seligen Lächeln die Reise ins Traumland antreten.

Ich will nicht zu sehr ins Trübsalgeblase verfallen, aber Gründe, warum die Gemütslage nicht unbedingt als frohlockend zu bezeichnen ist, gibt es sicher zu Genüge. Da reicht es, sich ein wenig mit der globalen Gemengelage zu befassen oder auch die Nichtigkeiten vor der Haustür ins Visier zu nehmen. Mir reicht wiederum ein Blick in den Spiegel. Doomscrolling hindert uns manchmal daran, auch positive Dinge wahrzunehmen. Und so ein Abend im Bahnhof gehört definitiv zu den positiven Aspekten unseres gelegentlich tristen Alltags.
Es wird gute Musik auf die Ohren geben. Der Boneshaker-Sound bringt die Knochen wirklich zum Schütteln bzw. bei mir zum Knacken. Dancehall Vibes lösen einen automatisierten Bewegungsdrang aus, wobei es keine Rolle spielt, ob man anmutig über die Tanzfläche schwebt oder wie ein Bekloppter herumspringt. Zeitgleich wird der 25te Geburtstag von Royal Fire zelebriert. Die Älteren dürften wissen, dass der Sound (das Soundsystem ;D) aus Werl kommt und es bis auf den Summerjam in Köln gebracht hat. Alte Weggefährten werden daher ebenfalls an den Drehtellern stehen.

Als Sahnehäubchen wird DJ Tomekk den Werlerinnen und Werlern einheizen. Nichts gegen all die Jungspunde und Partymenschen, die sich um den reibungslosen Ablauf unserer lieben „Dorffeten“ kümmern, aber Tomekk ist eben ein anderes Kaliber und die Gelegenheit, ihn im Werler Bahnhof zu sehen und zu hören, sollte man sich nicht entgehen lassen. Viele kleine Specials wird es auch geben, weshalb es eigentlich keine Ausrede geben dürfte, dem Spektakel fernzubleiben. Das Sofa steht auch am Tag danach noch im Wohnzimmer und wartet auf euch. Tanzen, Springen, Schwitzen, Endorphine freisetzen und vielleicht ein wenig in Erinnerungen schwelgen. Da nimmt man die Rückenschmerzen am folgenden Morgen gerne in Kauf.
Bis dann!




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