Auto
- Werler Kötte

- 28. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Wir sind viel unterwegs, weshalb Mobilität ein zentrales Thema für uns ist. Das bevorzugte Mittel der Fortbewegung ist für uns das Auto, denn es vereint zahllose Vorteile, auf die wir in der folgenden Huldigung etwas näher eingehen möchten. Also schnallt euch an und lasst schonmal den Motor warmlaufen. Aber lasst euch dabei nicht erwischen!
Früh übt es sich
Bereits die kleinen Blagen werden spielerisch an die urdeutsche Form des Reisens herangeführt. In den Kinderzimmern liegen sogenannte Autoteppiche herum, auf denen Miniaturkarren hin und hergeschoben werden. Verfolgungsjagden, waghalsige Parkmanöver, Einsätze von Notärzten und eine Spritztour um den See werden mit akkurat erzeugten Motorgeräuschen untermalt. Mit Lego und Konsorten werden allerlei Fahrzeuge zusammengesteckt, mittels Bobbycar die ersten Rennen gefahren, Kartenspiele gezockt, bei denen man Motorleistung und Beschleunigung vergleicht, Traktoren bestaunt und auf der Kirmes setzt man sich auf das Motorrad oder ins Cabrio.

Führerschein
Nein, das Wort hat keinen nationalsozialistischen Hintergrund (jaja, der war flach, aber Mario Barth haut jetzt auch keine Pointen raus, für die man Metaebenen bereisen müsste). Wer in Deutschland ein Auto fahren möchte, benötigt eben jenen Führerschein. Um diesen zu ergattern, muss der Lehrling etwa 4672 Schilder kennen, deren Bedeutungen sich je nach Kontext (mehrere Schilder untereinander) massiv verändern. Außerdem muss er Praxisstunden sammeln, in denen er lernt, wie man sich auf deutschen Straßen zu verhalten hat. Hier einige wichtige Punkte.
- Rechts vor links
- Außer man hat es eilig
- Radfahrer nerven. Sie sollten alle nach Münster ziehen oder in die Niederlande auswandern.
- Parkschein ziehen
- Außer man wollte nur eben irgendwo für ein paar Stunden „reinspringen“
- Wer hupt, hat recht
- Blinker sind nicht nur Dekoration
- Auf der linken Spur der Autobahn sind 140 Sachen zu fahren.
- Falls man im Rückspiegel eine Lichthupe wahrnimmt, ist unverzüglich Platz zu machen
- Reißverschlussverfahren anwenden! Ihr Idioten!
- Wer nicht gut parken kann, sollte sich ein großes Auto kaufen und direkt 2 Plätze in Beschlag nehmen.
- Grüner wird’s nicht!
- Wenn es kalt wird, Winterreifen aufziehen! Oder zuhause bleiben.
- Die meisten Probleme (Stau, sich ziehender Verkehr, Autofahrer, die ihre Karre abwürgen) können mittels Hupe schnell gelöst werden. Verstärkende Mittelfinger situativ anwenden.
Auto = Liebe
Uns Deutschen wird oftmals eine gewisse Gefühlskälte nachgesagt, was natürlich völliger Schwachsinn ist. Besonders der Umgang mit dem Automobil zeigt, zu welch tiefgreifenden Emotionen wir fähig sind. Autos sind für uns nämlich mehr als ein anmutiges Mittel zum Zweck.
Sobald der Motor komische Geräusche macht, ein Mikrokratzer an der Beifahrertür entdeckt oder ein Hauch von Staub im Innenraum erblickt wird, handeln wir unverzüglich. Unsere Werkstatt befindet sich auf der Kurzwahltaste 1 und schraubt notfalls auch am Sonntag an den Zylinderköpfen herum. Mindestens einmal in der Woche wird die Waschstraße angefahren. Entweder lassen wir ein automatisiertes Programm laufen (inklusive Unterbodenwäsche und Versiegelung) oder wir legen selbst Hand an. Mit sanften Bewegungen befreien wir den Lack von Vogelkot, Blüten und Staub. So liebevoll berühren Deutsche nicht einmal ihre Liebsten, denn die können sich ja auch einfach selbst anfassen.

Daheim stellen wir unser Prachtstück entweder in die Garage oder nutzen den Carport, der von ein paar Freunden zusammengezimmert wurde. Wenn es draußen kalt wird, legen wir behutsam eine aluminiumbeschichtete Schutzhülle auf die Windschutzscheibe, denn Frost muss ja nicht sein. Ansonsten kratzen wir morgens das kleine Sichtfeld frei, damit wir die 200 Meter zum Briefkasten fahren können.
An der Tankstelle verbringen wir viel Zeit, denn nur Premiumkraftstoff soll den Weg ins Innere finden. In der Regel verfügen wir auch über eine Kundenkarte und sammeln Treuepunkte, für die wir irgendwann Scheibenwischwasser oder einen Duftbaum erhalten.
Jedes Auto wird anständig versichert, damit Carglass weiterhin austauschen kann. Vollkasko ist das Minimum, da spart man lieber bei der eigenen Krankenversicherung oder Lebensmitteln. Alle paar Jahre schaut sich der TÜV unser Schätzchen genauer an, damit eine gewisse Sicherheit gewährleistet ist. Ordnung muss schließlich sein und wenn wir schon nicht darauf achten, dass unsere Blagen in der Schule funktionierende Heizungen haben, sollte wenigstens sichergestellt werden, dass sie von einem Auto überfahren werden, dessen Bremsen theoretisch funktioniert hätten.

Das Land der Autos
Deutschland ist weltweit bekannt für viele Dinge, doch besonders unsere wendigen Vehikel sind heiß begehrt. Wir schrauben die Teile mit einer Leidenschaft zusammen, die wir sonst nur vor dem Fernseher beim Fußballschauen an den Tag legen. Die Automobilbranche ist die Aorta unserer Volkswirtschaft. Ihrem Wohl ordnen wir alles unter. Sprit wird zu teuer, zack Tankrabatt für Mineralölkonzerne und bleifreitankende Bleifüße. Keiner kauft neue Karren, zack Abwrackprämie. Kein Bock in Elektromobilität zu investieren? Zack, Software manipulieren.
Unsere motorisierten Maschinen sind das Aushängeschild unserer Ingenieurskunst. Kleinwagen sind was für Kleingeister, weshalb wir Luxuslimousinen und raumgreifende SUVs aus den Fabriken rollen lassen, damit man im Stau auf der Autobahn zumindest ästhetisch anspruchsvolle Schmuckstücke bewundern kann.
Wir haben Benzin im Blut, verbringen mehr Zeit im, am und unter dem Auto als sonstwo. Hier trällern wir lautstark die Lieblingslieder aus der fernen Jugend. Hier regen wir uns über andere Verkehrsteilnehmer auf, die immer schlecht fahren. Hier vergessen wir die Sorgen des Alltags. Wer Autos nicht liebt, möge gerne anderswo glücklich werden. Zum Beispiel in Münster ;)




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